Innere Unruhe mit Essen stillen

25.07.2021 | Emotionales Essen | 0 Kommentare

Warum greifst du bei innerer Unruhe zum Essen und nimmst dadurch automatisch zu? Ich zeige dir in diesem Blog Artikel vier Schritte, wie du aus dem Teufelskreis ausbrichst.

Jeder kennt dieses Gefühl, wenn man im ganzen Körper plötzlich innerlich zappelt. So als würde ein kleiner Vulkan in einem brodeln und jeden Moment drohen auszubrechen. Die innere Unruhe macht sich lautstark bemerkbar. Jedoch ist sie ein Gefühl, das man nicht mit einem Wort treffend beschreiben kann. Sie äußert sich sehr individuell und viele Menschen haben große Schwierigkeiten damit, ihre Körperwahrnehmungen in dieser Situation eindeutig zu erkennen und richtig zu deuten. 

Was ist denn diese innere Unruhe genau? Hier zeige ich dir einige Anzeichen von innerer Unruhe:

  • ein schneller Herzschlag und feuchte Hände
  • Gefühl der Erschöpfung
  • Kribbeln
  • Gefühl innerlich getrieben zu sein, doch man kann nicht genau benennen wovon oder von wem
  • flauer Magen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • leichte Kopfschmerzen
  • gefühltes Energieloch

Wie fühlt sich innere Unruhe an?

Was ist es denn genau, was wir dabei wahrnehmen und warum ist es so schwierig dieses Gefühl eindeutig festzumachen? 

Das Gefühl der inneren Unruhe ist oftmals so schwammig, dass es gar nicht so einfach ist, es auf ein einziges Empfinden zu reduzieren. Zudem weist die innere Unruhe sehr viele Merkmale auf, die dem körperlichen Hungergefühl verdammt ähnlich sind. Und genau in diesem Phänomen lauert eine große Gefahr. 

Das Gefühl ist so diffus im ganzen Körper verteilt, dass es sehr oft mit dem Hungergefühl verwechselt wird: Der flaue Magen, die Konzentrationsschwierigkeiten und das plötzliche Energieloch äußern sich ebenfalls bei einem starken, körperlichen Hungergefühl. Um uns selbst vor dem drohenden Energieloch zu schützen, greifen viele deshalb bei der kleinsten Ankündigung von innerer Unruhe in die Schoko-Lade unter dem Schreibtisch oder wandern suchend zum Kühlschrank. Mit einem einfachen Ziel: Energie zu tanken und die diffusen Symptome zu reduzieren.

Wieso isst man bei innerer Unruhe?

Sich wohlig satt zu fühlen ist ein sehr angenehmes körperliches Gefühl und es ist kein Geheimnis, dass Essen (zumindest kurzfristig) auch mental befriedigt. Durch die positiven Gefühle, die wir nach einer angenehmen Mahlzeit erleben, verbinden viele von uns Essen mit innerer Ruhe, Zufriedenheit und gewissen Glücksgefühlen. Wir haben also irgendwann mal gelernt, dass essen uns beruhigt und ein angenehmes Gefühl hervorrufen kann. Vermutlich haben wir das bereits als Baby gelernt! 

Warum sollte Essen dann nicht auch in einer unangenehmen Situation helfen, wie zum Beispiel, wenn das innere Gedankenkarussell keine Pause einlegen möchte oder wenn der Arbeitstag stressig ist und man eben diese Unruhezustände  spürt? 

Selbstverständlich möchte man diese Anspannung  schnellstmöglich wieder lösen: das Gedankenkarussell anhalten, das anstehende Meeting unbeschadet überstehen und sich wieder ruhig und gelassen fühlen.

Nun weiß unser Körper ja seit Kindheitstagen bereits, dass Essen innere Ruhe und Zufriedenheit schaffen kann. Essen hat also die Macht auch die Nerven zu beruhigen. Der eigene Erfahrungsschatz hat zudem gezeigt, dass sich dafür manche Lebensmittel besser eignen als andere (z. B. die Schokolade vor dem Meeting, das Glas Rotwein am Abend … ). 

Hier eine kleine Anekdote am Rande: Ich habe noch nie von einer Klientin gehört, dass der grüne Blattsalat ohne Dressing die Nerven beruhigt hat!

Ist es daher nicht total verständlich, dass viele von uns bei Anzeichen von innerer Unruhe zum Essen greifen, in der Hoffnung das unangenehme Gefühl aufzulösen? 

Und hier kann sich nun eine trügerische Gewohnheit einschleichen: Führt der Griff zum Essen zum gewünschten Ziel (nämlich innere Ruhe spüren), speichert man dieses Verhalten als geglückt ab. 

Dabei hätte auch anderes Verhalten einfach ans Ziel führen können: der aktuelle Lieblingssong, eine Atemübung, ein kurzer Power Walk, eine Meditation, ein Power Nap… Die Alternativen sind unzählig!

Aber, man hat ja bereits in die Schokolade gebissen und der gewünschte Effekt trat sehr schnell ein. Wenn nicht, wird eben mehr gegessen. Spätestens nach der ganzen Tafel Schokolade ist das unangenehme, nicht fassbare Gefühl komplett weg. 

Der Erfahrungsschatz wurde also schlagartig um eine Erkenntnis reicher: Innere Unruhe kann tatsächlich mit Essen behoben werden. 

Mit hoher Wahrscheinlichkeit, wird man beim nächsten Anzeichen von innerlicher Unruhe ganz intuitiv zum Essen greifen und bei erneutem Erfolg, wird sich dieses Verhalten als stabile Gewohnheit etablieren. 

Das Gefühl der inneren Unruhe wird also mit Essen im Keim erstickt. Ja genau, ich sage ganz bewusst erstickt! Denn echten, körperlichen Hunger hatte man in diesem Moment ja nicht. Doch man hat gelernt, dass man sich nach dem Essen ruhiger und entspannter fühlt. Den Drang eine alternative Strategie für innere Unruhe zu suchen, wird von Mal zu Mal geringer ausfallen. Schließlich hat man ja eine wirkungsvolle Strategie bereits etabliert. Und schwupps hat man den Grundstein gelegt, langfristig Gewicht zuzunehmen. Dass man obendrauf schlagartig zum Emotionalen Esser wurde, ist vielen gar nicht bewusst. 

 

Wenn die Gewohnheit dick macht

Dass jedoch genau diese etablierte Gewohnheit dick macht, erkennen die meisten leider erst viel zu spät. Man isst ja schließlich aus einem täuschenden Hungergefühl heraus. Danach fühlt man sich satt, innerlich ruhiger und schlichtweg besser. Also hatte man ja vielleicht doch Hunger. Ein Teufelskreis nimmt seinen Lauf. Das Problem dabei ist, dass das Essen bei innerer Unruhe nur kurzfristig zu innerer Ruhe und einem wohligen Gefühl führt. Der Bauch ist zwar angenehm gefüllt, das Bbrodeln des inneren Vulkans nimmt etwas ab und das flaue Gefühl wird durch den gefüllten Magen betäubt. Man hat dem Körper eine neue Aufgabe gegeben das seine Aufmerksamkeit benötigt: Verdauen. 

Wovon genau nimmt man jetzt langfristig zu?

Das ist eigentlich ganz einfach. Man versorgt den Körper mit Energie, die er eigentlich gerade gar nicht bräuchte, denn man isst ohne echtes, körperliches Hungergefühl. Man denkt nur, man hat Hunger. Doch eigentlich weiß man gar nicht, was der Körper gerade hat.

Eigentlich weiß man nur, dass Essen hilft dieses Gefühl zu bewältigen.

Das Problem, neben der stetigen Gewichtszunahme, dabei ist, dass das Gefühl der inneren Unruhe ja wieder kommt. Es wurde ja nur kurzfristig betäubt. 

Die Ursache hinter dem Gefühl wurde weder eindringlich erforscht noch nachhaltig gelöst. Das Gefühl wird sich also wieder bemerkbar machen. Leider hat sich da schon längst die Gewohnheit eingeschlichen. Also anstatt sich zu fragen, was der Körper mit dieser inneren Unruhe signalisieren möchte, läuft man stattdessen direkt zum Kühlschrank. 

Was dir deine innere Unruhe mitteilen möchte

Wieso lauscht man nicht diesen Signalen?

  • Vielleicht will dir deine innere Unruhe sagen, dass du mal eine Pause machen sollst? „Du hast gerade zu viel Stress und bist überfordert – komm, gehe eine Runde im Wald spazieren, das wird dir gut tun“. 
  • “Dieser Job ist nichts für dich, das brennt dich aus! Vielleicht solltest du mal die aktuellen Stellenanzeigen lesen”. 

Wir geben uns gar nicht die Chance, das Gefühl an der Wurzel zu packen und etwas an der Situation nachhaltig zu verändern. Wir betäuben es stattdessen mit Essen.

Raus aus dem Teufelskreis – innere Unruhe loswerden

Möchtest du deine innerliche Unruhe loswerden, ohne dabei kontinuierlich weiter an Gewicht zunehmen? Dann habe ich hier 4 einfache Schritte für dich, mit denen du deine innere Unruhe loswerden kannst.

Schritt 1: Spezifiziere deine innere Unruhe. Was genau nimmst du wahr?

Schritt 2: Frage dich, was könnte dir dein Körper gerade mitteilen? 

Schritt 3: Probiere unterschiedliche Strategien aus, die auf die Ursachen der inneren Unruhe zielen.

Schritt 4: Versuche mit dieser gefundenen Strategie deine innere Unruhe zu reduzieren, ohne dabei etwas zu Essen.

Deine Möglichkeiten auf innere Anspannung zu reagieren sind sehr vielfältig und nicht jede Strategie passt zu jeder Persönlichkeit.

Hier ist eine kleine Ideensammlung für dich als Inspiration:

  • Tanze zu deinem aktuellen Lieblingssong
  • Probiere eine Atemübung, die du vom letzten Yoga Kurs kennst, aus
  • Mache einen kurzen Power Walk rund um den Block
  • Schalte dir eine kurze Meditation mit einer App ein
  • Lege dich 20 Minuten ins Bett und tanke Energie mit einem Power Nap
  • … die Alternativen sind wirklich vielfältig!

Wie geht es dir mit dem Thema „Innere Unruhe“? Was nimmst du bei dir für Symptome wahr und was hilft dir, diese Anspannung zu lösen? Kommentiere gerne diesen Beitrag!

Wenn du möchtest, teile gerne diesen Beitrag.

geschrieben von Psychologin Sarah Sturmbauer

Expertin für Selbstwertgefühl, Körperbild und Ernährungspsychologie. Mein persönlicher Lipödem – Blog geschrieben aus einer systemischen Perspektive.

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